Familie Wolf: Zu Besuch bei unseren Patenstudentinnen in Mingun

Mittagessen in Mingun.

Dies ist eine (etwas nostalgische) Botschaft aus der verlorenen Normalität.

Familie Wolf aus Graz hat uns einen aktuellen Bericht von ihrem letzten Besuch in Mingun geschickt. Na ja, so ganz aktuell ist er nicht mehr. Aber an Authenzität hat er nichts eingebüßt. Nur sind Besuchssituationen wie sie in dem Bericht geschildert werden,  zur Zeit schlicht unmöglich: Auch Myanmar leidet unter Covid-19. Wir zitieren aus den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes.

Die Ausbreitung der Atemwegserkrankung COVID-19 führt auch in Myanmar zu Einreisesperren und strengen Quarantänemaßnahmen.

Die Einreise nach Myanmar ist derzeit grundsätzlich nur myanmarischen Staatsangehörigen vorbehalten. Es werden, bis auf weiteres, keine Einreisevisa erteilt. Der internationale kommerzielle Luftverkehr nach Myanmar ist bis mindestens 30. Juni 2020 eingestellt.

Die Schulen öffnen wieder erst im August 2020
228 Infektionenn und 6 Todesfällte sind gemeldet.“

Genießen Sie den Bericht in der Hoffnung dass es in der Reisesaison 2020/2021 wieder möglich sein wird, Myanmar und unsere Patenkinder zu besuchen.
18. Juni 2020 Karl Bruch

 

 

Während wir vor Jahren eine Reise nach Myanmar planten, wurden wir auf den Verein „Help-Myanmar“ aufmerksam.
Daher sahen wir uns während des ersten Besuches in Mandalay, einem Fixpunkt jeder Reise, die PDO an und wurden dort zu einem Gespräch mit dem Abt eingeladen.
Beindruckt vom Engagement des Vereins beschlossen wir nach unserer Rückkehr, uns stärker zu engagieren.

So begann unsere Patenschaft für Myo Thuzar Win, die während Ihres Studiums im Kindergarten in Mingun arbeitet.
Durch den Kontakt über den Verein und direkte Kommunikation per Messenger-Dienst, konnten wir etwas an Ihrem Leben und dem Ihrer Familie teilnehmen. Insbesondere durch den direkten Kontakt und dem damit möglichen kurzfristigen Austausch von Fotos waren wir immer wieder in kleine Episoden einbezogen und konnten Fragen stellen, wenn wir etwas nicht verstanden.

Dadurch erfuhren wir auch, dass Ihre Schwester Myo Thuzar Linn studieren möchte und entschlossen uns, auch sie zu unterstützen.

Um den Kontakt zu verbessern und vielleicht auch mehr Verständnis für die Lebensumstände der Familie zu erhalten, entschlossen wir uns zu einem weiteren Besuch im Dezember 2019. Natürlich wollten wir auch Myo Thuzar Linn kennenlernen, die bei unserem früheren Besuch leider nicht da war.

Von Mandalay, das uns noch betriebsamer vorkam als drei Jahre zuvor, fuhren wir wieder mit dem Boot nach Mingun. Bei der Fahrt über den Irrawaddy konnten wir uns gut auf den Tag einstimmen. Bereits am Ufer wurden wir von unseren Patenstudentinnen und Kyaw Kyaw, dem Schulleiter in Mingun, empfangen. Freudig begrüßten wir einander.

Da gerade Ferien waren, fuhr uns Kyaw Kyaw mit dem Tuk-Tuk direkt zum Haus der Familie, wo wir von den Eltern begrüßt wurden. Nach anfänglicher Befangenheit, kam bald ein Gespräch in Gang, Neuigkeiten und Geschenke wurden ausgetauscht. Kyaw Kyaw unterstützte das Gespräch, wenn die sprachliche Verständigung holperte. Dann wurde der Tisch gedeckt. Wir waren wieder begeistert von dem leckeren Essen, dass die Familie für uns vorbereitet hatte. Es ist immer beeindruckend, wie trotz der einfachen Verhältnisse eine Vielfalt an Speisen entsteht.

Schön zu sehen, dass das Haus der Familie nun ein Blechdach und hat und einen Stromanschluss. So gibt es nun elektrisches Licht und über einen Fernseher, ein Röhrengerät, kommt „die Welt“ ins Haus.

Natürlich sahen wir uns auch den Kindergarten und die Schule des Fördervereins an. Besonders neugierig waren wir auf das neue Schulgebäude. Wir bewunderten die solide Ausführung und probierten die Schulbänke aus.

Zum Abschluss des Tages in Mingun besuchten wir gemeinsam mit den Patenstudentinnen die Mya Thein Than Pagode und verabredeten uns für den nächsten Tag in Mandalay.

Myo Thuzar Win und ihre Schwester Myo Thuzar Linn kamen mit dem Morgenboot aus Mingun, wir trafen uns zuerst zum Frühstück in unserem Hotel.
Danach fuhren wir gemeinsam, mit dem praktischen Tuk-Tuk, zur Kuthodaw-Pagode mit ihren unzähligen, in weißen Steinhäuschen stehenden Schrifttafeln und der vergoldeten Maha Lawka Marazein Pagode in der Mitte. Gemeinsam besichtigten wir auch die Mahamuni-Pagode, erhaschten zwischen den anderen Besuchern einen Blick auf die dick vergoldete Buddhastatue im Innern, das den Männern vorbehalten ist.

Der Einkaufsbummel nachmittags im angesagten Ocean-Shoppingcenter fiel eher kurz aus. Der skeptische Blick unserer Studentinnen auf die Preisschilder der Kleidung, ließ sie und uns zu dem Schluss kommen, dass an anderen Orten ein besseres Preis-Leistungsverhältnis besteht.

Weiterhin verabredeten wir uns zu einem 2-tägigen Ausflug nach Monywa, das etwa 4 Stunden von Mandalay entfernt ist. Da Myo Thuzar Linn leider arbeiten musste, baten wir Myo Thuzar Win Ihre Freundin May Thu Aung mitzunehmen, die ebenfalls im Kindergarten arbeitet.

Monywa und die nahe Umgebung bieten verschiedene beeindruckende Sehenswürdigkeiten, wie die frisch renovierte, in bunten Farben leuchtende Thanboddhay-Pagode mit ihren unzähligen Großen und kleinen Buddha-Statuen. Ganz in der Nähe bestaunten wir einen etwa 90 m langen, liegenden Buddha und die aus der Landschaft ragende, 116 m hohe Buddha-Statue Lay Kyun Sat Kyar. In ihrem Inneren konnten wir bis zum 32 Stockwerk hinaufsteigen, begleitet von mahnenden und lehrenden Bildern.

Eine wichtige Pilgerstätte ist auch die Shwe Gu Ni Pagode, der wunscherfüllende Kräfte zugeschrieben werden. In der Gegend gedeiht der Tanaka-Strauch. Händler bieten rund um die Pagode Tanakastücke verschiedener Größe und Güte an.

Am Abend ließen wir uns gemeinsam köstliche Leckereien auf dem Nachtmarkt von Monywa schmecken, mit fachkundiger Erklärung durch unsere Begleitung ein leichtes Unterfangen, da die „Blindtestung“ diesmal ausfallen konnte.

Am zweiten Tag besichtigten wir die Höhlen von Hpo Win Daung. Der ganze Berg scheint durchwirkt von kleinen Höhlen, in denen interessante Wandmalereien und Buddhastatuen unterschiedlichster Stile zu bewundern sind.

Etwas müde, aber sehr zufrieden ließen wir uns vom zuverlässigen, von Ohmar Myint organisierten Fahrer, im Auto wieder an der Bergbau-Landschaft vorbei zurück nach Mandalay kutschieren. Dort verabschiedeten wir uns von Myo Thuzar Win und May Thu Aung, die mit dem Boot wieder zurück nach Mingun fuhren.

Natürlich war es weder für die jungen Leute noch für uns leicht herauszufinden, was der jeweils andere denkt und meint, doch mit der Zeit wurde die Stimmung entspannter und die Verständigung klappte besser.
Wir waren sehr froh, sie durch die gemeinsam verbrachte Zeit etwas besser kennen zu lernen. Auch Myo Thuzar Linn konnten wir abends noch einmal kurz in Mandalay treffen und uns mit vielen guten Wünschen verabschieden.

Inzwischen wissen wir, das Myo Thuzar Win ihr Studium bestanden hat und nur noch auf die Graduierung wartet. Es freut uns sehr, dass damit ihre Chancen auf einen einträglichen Beruf gestiegen sind. Wir warten nun auf weitere gute Nachrichten aus Mingun und werden gern eine neue Patenschaft beginnen, um einen weiteren Lebenslauf positiv beeinflussen zu können.

Auch wenn die kulturellen Unterschiede groß sind und die Verständigung manchmal schwierig ist oder Missverständnisse auftreten, auch weil wir nicht leicht in der Lage sind Ausdruckweise und Kommunikation richtig zu deuten, ist der Gewinn auf beiden Seiten das Engagement allemal wert.

Julia und Winfried Wolf, Dezember 2019

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